Gefühle und psychische Aspekte

Die Persönlichkeitsklärung ist für den Verlauf einer Mediation von enormer Bedeutung. Jeder Mensch trägt Konflikte auch im Innern aus, hat Spannungen die nicht selten im Widerstreit liegen.

So gibt es (moralische) Vorstellungen von uns, wie wir gerne wären und wie wir aber tatsächlich sind. Diese inneren Konflikte werden leider viel zu wenig angegangen. Hinzu kommt der Alltag, durch den jeder Mensch mit seinen inneren Konflikten immer wieder aufs Neue hindurch muss.

Dass so geschaffene bzw. bereits vorherrschende Konfliktpotential in uns verleitet dazu, diese auf zwischenmenschliche Konflikte zu übertragen, bspw. in dem man Dinge tut oder sagt, die man später bereut. Alternativ lässt man sich zu einer „eindeutigen“ Beurteilung der Mitmenschen verleiten und schottet sich selbst emotional ab. Damit verliert ein wesentlicher Baustein der Mediation an Gewicht: die Empathie.

Daher hat die Mediation nicht ausschließlich den Fokus auf die materiellen Ansprüche der Parteien; vielmehr steht die Thematisierung von Gefühlen –sog. nichtjustiziable Faktoren- gleichberechtigt daneben.

Interessen

Interessen sind naturbedingt auf sachlicher als auch auf emotionaler Ebene zu verorten und stellen eine weitere tragende Säule der Mediation dar. Der Wert einer Mediation lässt sich daran festmachen, wie umfangreich und klar die Interessen der jeweiligen Partei aufgedeckt werden. Denn daraus ergibt sich erst die gesamte Bandbreite für Verhandlungen und die Chance, einvernehmliche Lösungen für den Konflikt zu finden.

Werte und Ideologien

Wertkonflikte treten bevorzugt beim Thema Geld, Freundschaft, Familie, Zeit, Geschlecht, Politik, etc. auf. Das liegt darin begründet, dass Menschen sich unterschiedlich definieren. Der eine definiert sich über materielle Werte (Geld, beruflicher Erfolg, etc.), wohingegen der andere sich verstärkt Idealen verschrieben hat. Die unterschiedlichen Definition der Menschen von sich selbst sind sicherlich nicht auf das Privatleben begrenzt, sondern werden verstärkt im Arbeitsumfeld eingebracht, sei dies im Bereich Führung, Steigerung von Umsätzen, Gestaltung der Arbeitsatmosphäre, die Selbstverwirklichung in der Arbeit, u.v.m.

Ein Miteinander bedingt, dass Menschen nicht nur ein klares Verständnis ihrer eigenen Werte haben, sondern die –wohl unterschiedlichen- Werte des Gegenübers akzeptiert. Es ist nicht Aufgabe einer Konfliktpartei, bestehende Werte der anderen Konfliktpartei zu verändern. Vielmehr ist erneut vor allem eins gefragt: Empathie!

Wahrnehmung

In vielen Konflikten setzt früher oder später der Tunnelblick ein, d.h. die Komplikation/das Ausmaß des Konflikts kann nur noch selektiv wahrgenommen werden. Das ist durchaus nachvollziehbar, da der Versuch, den Konflikt unvoreingenommen in seiner Gänze zu betrachten, die Unsicherheit des Einzelnen beeinflussen kann.

Es verhält sich häufig so, dass Signale des anderen nicht oder falsch wahrgenommen werden, Fremd- und Eigenwahrnehmung stimmen nicht mehr überein. Daraus resultiert, dass eine Konfliktperson sich unverstanden fühlt und entsprechend reagiert, was im Ergebnis zur steigernden Eskalation beiträgt.

Annahmen

Aus den vorstehenden Ausführungen folgt die Annahme einer Konfliktpartei gegenüber der anderen bezüglich Motive und zu erwartende Verhaltensmodalitäten. Hier liegt die Gefahr vor allem darin, dass durch den Versuch des antizipierten Verhaltens der Gegenpartei diese auch noch in diese Ecke gedrängt wird, obwohl der Blick womöglich durch eigene Werte und Wahrnehmungen getrübt ist.

Unterschiedliches Wissen

Ein weiterer wichtiger Konfliktfaktor ist die unterschiedliche Ausgangslage der Konfliktparteien in punkto Wissen. Hierbei wird häufig der mangelnde Wissensstand des einen durch den anderen strategisch ausgespielt.

Demgemäß ist es für die Mediation unerlässlich, alle Parteien auf den gleichen Wissensstand zu bringen, um ein ausgewogenes Konfliktmanagement zu ermöglichen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Erwartungen

Ähnlich wie bei Werten haben wir unterschiedliche Erwartungen an uns und an andere, die wir verstärken oder abgewöhnen wollen.

Dies wird vor allen Dingen in der Arbeitswelt anschaulich. Diese ist zumeist mit Hierarchien durchdrungen. Führungskräfte sehen sich den Erwartungen „ihrer“ Arbeitnehmer gegenüber und umgekehrt. Dass aufgrund verschiedener Erwartungen/Erwartungshaltungen der Nährboden für Konflikte bestellt ist, liegt auf der Hand, da Hierarchien häufig dadurch ausgeprägt sind, dass Erwartungen gerade nicht ausgesprochen werden, sondern vielmehr eine stillschweigende Erwartung geäußert wird.

Kulturkreis und Geschlecht

Menschen, die aus unterschiedlichen Kulturen stammen, haben verschiedene Umgangsformen mit Konflikten „erlernt“, da in anderen Kulturkreisen andere Verhaltensmuster vorgelebt und übernommen werden. Solche Unterschiede können sich auf die jeweiligen Interessen/Motive negativ auswirken, es entsteht viel Raum für verzerrte Wahrnehmungen.

Falls dieser Konfliktfaktor für die Auseinandersetzung maßgeblich ist, muss er innerhalb der Mediation thematisiert werden, um gegenseitiges Vertrauen zu schaffen und aufzubauen. Konflikte in diesem Bereich zeichnen sich meist dadurch aus, dass der Streit nicht offen ausgetragen wird, was wiederum daran liegt, dass es den Konfliktparteien unangemessen oder gar verletzend erscheint, kulturelle oder geschlechtliche Faktoren zum Gegenstand eines Konflikts zu machen.

Insgesamt darf festgehalten werden, dass der Mensch aufgrund der verschiedenen dargestellten Faktoren Entscheidungen trifft, die Interpretationen der verfügbaren Informationen darstellen. Der einzelne nimmt die Informationen dabei selektiv wahr, so dass die eigentlich verfügbaren Informationen nicht gleich denen sind, über die verfügt wird. Zudem neigt der Mensch dazu, nicht alle Alternativen bei seinen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Für weitere Informationen verweisen wir gerne auf die Grundlagen der Kommunikation.

Unsere Aufgabe in der Mediation ist es daher, dass Informationen und Argumente bei anstehenden Entscheidungen der Konfliktparteien berücksichtigt, Alternativen geprüft werden. Neben der Förderung von Empathie für die Konfliktsituation kann so ein transparentes Mediationsverfahren gewährleistet werden.